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Fasnet


Aber nicht an Martini, nein, erst am Fasnetsunndig steckt hier der Schuttig fürwitzig seine Nase heraus. Überlieferte Gestalten und Bräuche erwachen zu neuem Leben und vollziehen sich in uralten Riten.



Elzach feiert alljährlich seine berühmte Fasnet.

Die Elzacher Fasnet mit der bundesweit bekannten Narrengestalt des Schuttig, ist uraltes, echtes Brauchtum, nicht muffig, sondern quicklebendig, ansteckend, mitreißend. Man kann sie nicht beschreiben, man muss sie erleben.
Die Fasnet in Elzach ist kurz, sie dauert nur drei Tage. Aber wer von dieser fasnächtlichen Springflut einmal erfasst ist, wird mitgerissen, eingetaucht in diese Atmosphäre von Musik und Gelärm, von Fröhlichkeit und geheimnisvollem Tun.

Die älteste Nachricht über fasnächtliches Geschehen in Elzach stammt aus dem Jahre 1530, als es um die Verabreichung des "Fasnachtsküchlins" geht. 1671 finden bereits Umzüge der Vermummten mit den Spielleuten statt.
Einen ersten Höhepunkt bringt der "Schmutzige Dunschdig", der Haupttag der Kinderfasnet. Der Kinderumzug mit vielen kleinen Schuttig findet um 15 Uhr statt.




Wohl keine Narrenstadt besitzt eine solche Vielzahl an Larventypen wie Elzach. Die vom Schuttig getragenen Holzlarven lassen sich in sieben Gruppen einteilen, die selbst wieder unzählige Varianten aufweisen.
Da ist zunächst der am meisten getragene Fratz mit dämonischen Augen, fletschenden Zähnen und großer Hakennase.
Die Bartlarven stellen die typischen Wildmännerlarven dar. Dann die Teufelslarven, die ehedem echte Bockshörner hatten, der Lätsch mit stark ausgeprägter Mundpartie, die Langnase, die in ihrer früher üblichen fahlen Farbgebung sicher einen Geist aus dem Totenreich darstellen sollte. Das seltene Bäregfriß, in welchem der Schuttig mit seinem Zottelkleid wie ein Bär des germanischen Urwaldes anmutet. Zuletzt die große Gruppe der sogenannten Mundle, die unter Verzicht auf groteske Formen, dem menschlichen Antlitz in stark stilisierter Form entsprechen, jedoch oft weiß bemalt, besonders nachts recht geisterhaft wirken.


Ein unverwechselbares Ausstattungsstück der Hauptnarrenfigur ist der dreispitzartige Schneckenhut. Er stammt aus der Barockzeit und ist nichts anderes als der von den Männern des 17. Und 18. Jahrhunderts getragene und nach Narrenart umgekehrt aufgesetzte Dreispitz oder Nebelspalter.
Er wurde früher mit krausen Papierbüscheln, heute mit roten Wollrosetten, geziert und mit Schneckenhäusern behangen, welche durch ihr früher hohlschepperndes Geräusch eine eigenartige Wirkung hervorbrachten.
Als Narrengerät dienen "Saublodere" und Streckschere, die früher noch durch Besen und Geiselstöcke ergänzt wurden.
Es kann als erwiesen angesehen werden, dass der Schuttig in Elzach seit dem 16. Jahrhundert Heimatrecht besitzt. Sein Name wird von "Schaurtag", mundartlich "Schurtig" abgeleitet und so nannte man bis in das 18. Jahrhundert den Aschermittwoch. Der Narr trat also am Aschermittwoch-Schurtig besonders auf, wenn er nach diesem Tag benannt wurde.
Der Aschermittwoch als Fasnachtstag bestand jedoch nur bis 1569 als Erzherzog Ferdinand II. von Österreich den Fasnachtsdienstag als letzten Fasnachtstag bestimmte. Folgerichtig bestand die Narrengestalt schon vor diesem Termin.


Neben dem Schuttig existiert der ebenfalls althergebrachte "Rägemolli". Er trägt Papierbollen am Hut und statt des Zottelgewandes ein mit schwarzen Tupfen bemaltes Rupfengewand, darauf Sonne und Mond dargestellt sind.
Rägemolli nennt man in Elzach den Feuersalamander. Der vielen Tupfen wegen auf dem gelblichen Gewand ergibt sich eine Ähnlichkeit zu diesem Tier, das seinen Namen leihen musste.


Eine wichtige Funktion haben die Taganrufer zu erfüllen. Es sind die eigentlichen Narrenrichter, welche am Taganrufen und bei den Umzügen mit ihren Utensilien auftreten. Sie tragen weite, weiße Hemden mit bunten Streifen und spitze, hohe Hüte, den "Tschako". Auch die Stadtmusik trägt diese Gewandung, während die übrigen Musikkapellen in nachempfundenen Uniformen des 17. und 18. Jahrhunderts einherschreiten.


Schließlich tritt noch der mittelalterliche Nachtwächter mit Hellebarde und Wächterhorden auf, dem allerdings sein Weib, das übrigens von einem Mann dargestellt wird, stets auf dem Fuße folgt.

Der schwarze Teufelschuttig als Einzelfigur mit seinem Dreizack führt den Zug an, gefolgt von der Zunftfahne. Die großen und kleinen Schuttig machen zu den Klängen der Narrenmärsche ihre Sprünge, knallen die Saublodere auf den Boden und necken vorwiegend die holde Weiblichkeit mit der Streckschere.

Dämonisch anzusehen ist der Fackelumzug am Sonntagabend, der sich wie ein züngelnd rotes Flammenmeer durch die Straßen wälzt.
Die roten Gestalten, die im unruhigen Fackellicht glühen, werfen lange, zuckende Schatten auf die engstehenden Häuser. Zündende Musik und Gelärm erfüllt die engen Straßen, wild gebärden sich die Narren, dumpf dröhnen die Saublodere auf das Pflaster, vorbei tobt das wilde Heer.

Fröhliche Erwartung und knisternde Spannung liegen in der Luft, bis am Fasnetsonntag, Schlag zwölf Uhr, die Narrenfreiheit durch den Narrenrat ausgerufen wird und das Heer der wilden Schuttig in unbändigem Lauf das närrische Regiment an sich reißt.

Der Elzacher Schuttig mit seinem feuerroten Zottelgewand, dem Schneckenhut mit den Wollbollen und der schreckhaften Holzlarve ist ein später Nachkomme des Wilden Mannes, der in den Vorstellungen der alpenländischen und alemannischen Volksstämme als ein Wald- und Bergwesen angesehen wurde und als Winterdämon galt.

Die "wilden Mannen" liefen in Süddeutschland im 14. und 15. Jahrhundert bei höfischen Festen und Kampfspielen auf und wandeln sich vom Vegetationsdämon zur Narrenfigur. Ihre Kleidung bestand zunächst aus Flechten, Flachs, Stroh und Schneckenhäusern. Diese Stoffe fingen leicht Feuer und wurden auf Grund von Unfällen durch Kaiser Joseph II. 1781 verboten. Als Ersatz wurden farbige Stoffläppchen ans Narrenkleid genäht, so wie wir es beim Schuttig und vielen anderen Narrenfiguren heutigentags noch vorfinden.


Noch schreckhafter wirken die Fratzen, die Teufelslarven und das Bäregfriß im unsteten Licht der Fackeln, bis am Schluss die brennenden Scheite zu einem Flammenstoß geschichtet werden, den der Teufelsschuttig tänzelnd immer wieder schürt. Ein unvergleichliches Bild, wie es schon in grauer Vorzeit entstanden sein mag.
Anschließend entwickelt sich ein Narrentreiben, das nur eine Narrenstadt bieten kann. Doch gegen Morgen wird es merklich stiller. Jetzt treten die Taganrufer zusammen, um das närrische Gericht zu halten.
Leise huschen die Gestalten zum Ladhof, dem Sammelplatz und der Gerichtsstätte aus alter Zeit. Zutritt zur Gaststube haben nur die Taganrufer, die Schuttig und die Narrenkapelle. Auch der Nachtwächter mit seinem Weibe ist da. Kaum ist die Betzeitglocke verklungen, erhebt sich die sonore Stimme und singt ein seltsames Lied:
"Steht auf, im Namen hät'is g'wißt,
wer unter uns Narren der Hauptmann ist.
Sechs Uhr ist schon längst vorbei,
und wir Narren sind alle frei..."
Der Laternenträger tritt näher. Über dem "Mattendatscher", einem bäuerlichen Ackergerät, das als Lesepult dient, wird ein großes Buch aufgeschlagen, um aus dieser Narrenchronik die Schildbürgerstreiche der Mitbürger in treffenden, derben Versen ans Tageslicht zu bringen.
Unter Vorantritt der Musik geht es so durchs ganze Städtchen, um an bestimmten Stellen das Gericht zu halten. Hier leben letzte Relikte alemannischer Frühlingsbräuche fort.
Der Montagnachmittag und der Abend gehört den Moritatensängern, die in Gruppen als närrisches Gericht durch die Elzacher Lokale ziehen. Sie berichten in humorvoller, aber auch kritischer Weise über bemerkenswerte Begebenheiten des vergangenen Jahres. Außerdem sind am Abend die "Maschkele", verkleidete Frauengruppen, im Städli unterwegs.
Doch am Fasnetdienstag tritt der Latschariverein zusammen, um in einer Männersitzung voller Mutterwitz und in treffend ungeschminkten Versen und Darbietungen nochmals vom närrischen Rügerecht Gebrauch zu machen.
Nach altem Brauch wird der neue Vereinsvorstand mit viel Spitzfindigkeit im Städtchen eingefangen und unfreiwillig in sein Amt eingeführt.
Der große Schuttigumzug vom Sonntag wird am Nachmittag wiederholt. So steigert sich das Geschehen zu immer neuen Höhepunkte bis Schlag Mitternacht jeder Narr die Larve ablegt und das Treiben der Narren im anbrechenden Aschermittwoch sein Ende findet.